Die lutherische Kirche und die Hierarchie

Die lutherische Kirche ist, verglichen mit der römisch-katholischen oder der orthodoxen Kirche viel weniger hierarchisch aufgebaut. Der Grund dafür liegt in den Ursprüngen der Kirche; sie hat sich von der katholischen Kirche abgespalten, unter andrem weil sie deren Aufbau kritisierte. Als Argument dafür gibt die lutherische Kirche, wie auch andere evangelische Kirchen, an, dass gemäß der Bibel keine Hierarchie existiert. Es existieren lediglich Gott und die Menschen. Gott selbst existiert dabei in drei Formen, als Gott (der Vater), als Jesus (der Sohn) und als Heiligen Geist. Alle diese Formen sind aber nach den Lehren der Dreifaltigkeit identisch. Gott ist dann auch allen Menschen gleich nah.

Dieses Verständnis widerspricht der Funktion eines Papstes, welcher aus katholischer Sicht die Autorität in religiösen Fragen hat. In der lutherischen Kirche ist jeder Mensch selbst in der Lage, religiöse Entscheidungen zu treffen. Berufen sollte er sich dazu auf Gott und dessen geschriebenes Wort, die Bibel. Auch die Funktion des Nachfolgers Christi oder der Apostel, die von der katholischen Kirche als Grund für die Position des Papstes gesehen wird, verliert so jegliche Bedeutung selbst ein Priester oder Pfarrer nimmt in der lutherischen Kirche keine Sonderposition ein, er bekleidet lediglich eine Funktion. Hierarchisch steht er aber im selben Verhältnis zu Gott wie jeder andere Mensch auch.

Mit der Abschaffung der Hierarchie fallen bei der lutherischen Kirche auch die Funktion der Heiligen und der Seligen weg. Aus diesem Grund findet in der lutherischen Kirche auch keine Verehrung von Maria statt. Sie anerkennt zwar, dass sie Jesus, und somit Gott, gebar, trotzdem bleibt sie aber nach dem Verständnis der lutherischen Kirche ein normaler Mensch. Selbiges gilt auch für alle anderen Heilligen. Sie werden zwar zum Teil als außergewöhnliche Menschen wahrgenommen, werden aber nicht verehrt und es werden auch keine Gebete an sie gerichtet. Dies steht in der lutherischen Kirche alleine Gott zu.