Organisation der lutherischen Kirchen

Obwohl in der lutherischen Kirche der Definition nach alle Mitglieder gleichwertig sind, verfügt auch diese Kirche aus praktischen Gründen über einen hierarchischen Aufbau. Anders als in der römisch-katholischen Kirche sind aber aus religiöser Sicht alle Mitglieder gleich nahe zu Gott und es gibt keine religiösen Autoritäten.

Auf der untersten Stufe der lutherischen Kirche sind die einzelnen Mitglieder der Kirche in Kirchgemeinden aufgeteilt. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirchengemeinde ergibt sich auf Grund des Wohnsitzes. Alle Mitglieder einer Kirchgemeinde bestimmen gemeinsam den Kirchenvorstand, welcher der Kirchgemeinde vorsteht. Dieser übernimmt in erster Linie praktische Aufgaben in der Kirchgemeinde, er unterhält zum Beispiel die Kirche oder organisiert die Durchführung der Gottesdienste.

Mehrere Kirchgemeinden bilden gemeinsam einen Dekanatsbezirk. Dieser wird von einem Dekan oder einer Dekanin geleitet und verfügt über einen Dekanatsausschuss und eine Dekanatssynode. Diese verwalten zusammen den Dekanatsbezirk, welcher zum Beispiel für den Neubau von Kirchen zuständig ist oder auch für die Beschäftigung von Pfarrern oder anderer Mitarbeiter.

Hierarchisch über dem Dekanatsbezirk steht der Kirchenkreis, welcher von einem Regionalbischof oder einer Regionalbischöfin geleitet. Er oder sie ist zugleich Mitglied im Landeskirchenrat, welcher wiederum Teil der nächsten hierarchischen Stufe, der Landeskirche, angehört. Weiter gehört die Landessynode, der Landessynodalausschuss und der Landesbischof zu dieser Ebene.

Auf nationaler Ebene sind die lutherischen Kirchen, zusammen mit anderen evangelischen Kirchen zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammengeschlossen. Auf europäischer Ebene ist diese Mitglied in der Konferenz Europäischer Kirchen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.

Die oben beschriebene Hierarchie trifft für die meisten lutherischen Kirchen in Deutschland zu. Es gibt jedoch auch lutherische Kirchen, welche sich anders organisieren. Viele dieser Kirchen sind dann Mitglied der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), mache gehören aber auch einer anderen oder gar keiner größeren Organisation an. Somit ist die Organisation der lutherischen Kirchen, verglichen mit den römisch-katholischen Kirche, sehr viel Komplexer und schwieriger zu verstehen.